Reisebericht: Moore, Taiga und baltische Küsten Mai 2012

Naturkundliche-ornithologische Reise nach Estland: Moore, Taiga und baltische Küsten

12.05.2012 Treffpunkt Tegel

Die ersten fünf Teilnehmer der Exkursion waren schnell in Tegel gefunden. Auf dem Flughafen Riga stand schon ein geräumiger Bus bereit und unser estnischer Begleiter Rein. Mit zwei weiteren Teilnehmern ließen wir uns in die Rigaer Altstadt bringen.  Auf einem   ca. zweistündigen Stadtrundgang lernte sich die Gruppe schnell kennen und man sprach sich mit Du an. Alle trugen schon jetzt voller Erwartung ein Fernglas bei sich, dass auch später bei Frühstück und Abendessen stets griffbereit auf dem Tisch lag. Während der Fahrt bis zum Hotel Lepanina bekamen wir den ersten Eindruck von der Schönheit Estland`s und wie weit die Natur jahreszeitlich gesehen im Vergleich zu Deutschland noch zurück ist. Mit der Ausstattung und dem Service des Hotels waren alle zufrieden. Ein Naturerlebnis der besonderen Art waren die Sonnenuntergänge über der Rigaer Bucht. Auf der ersten abendlichen Exkursion sahen wir Braunkehlchen, einen Baumfalken der in 100 Metern auf einer Stromleitung aufblockte und eine Waldschnepfe, die mehrfach über unseren Köpfen strich. Für einige Teilnehmer war es die erste Beobachtung dieser Art. Auf dem Rückweg sang ein Sprosser in 10 Meter Entfernung mit einer Intensität, die auch mich beeindruckte. Der Einstieg der Tour war gelungen.

13. Mai Fahrt ins Ligula Moor

Bei einem Zwischenstopp auf der Fahrt ins Nigula Moor konnte die Gruppe ausgiebig Zwergschnäpper und Waldwasserläufer bei der Balz beobachten. Ein abstreichendes Haselhuhn sahen leider nur zwei Personen. Das Nigula Moor hatte auch botanisch Einiges zu bieten. Sumpfcalla, Rosmarienheide und Fieberklee zeigten ihre ersten Blüten. Auf dem Moorsteg saß auch zu meinem Erstaunen ein kleines Nachtpfauenauge. Ein Schreiadler blockte für alle gut sichtbar auf einer Fichte auf. Dies sollte aber auch die einzige Beobachtung dieser Art gewesen sein.  Mit Hilfe einer Klangattrappe lockte Rein einen Weißrückenspecht bis auf 20m heran. Begeisterung kam auf und man klatschte sich ab. Im Laiksaare Auenwald gab es eine faszinierende Pflanzenwelt zu bestaunen. Adlerfarn, Schuppenwurz, Zinnkraut und Haselwurz, um nur Einige zu nennen. Erlenzeisig, Trauerfliegenschnäpper und Karmingimpel balzten entlang des Weges. Auf der Nachtexkursion war das absolute Highlight ein Habichtskauz, der in 40m Entfernung auf einer Solitärkiefer blockte. Alle konnten ihn ausgiebig beobachten, begleitet von den Rufen des Ziegenmelkers und der Waldschnepfe.

14.Mai Soometsa, Rannametsa, Pikla Fischteiche

Beobachtung von Grauspecht, sehr viele Zwergschnäpper, eine Kurzbeobachtung vom Haselhuhn und ein Wespenbussard der in der Thermik kreiste. Beim Anblick von frischer Wolfslosung bekamen einige  Teilnehmer Gänsehaut. Die Landfrauen von Häädemeeste bereiteten uns ein ausgezeichnetes Lunch. Anschließend fuhren wir zu den Rannametsa Strandwiesen und Pikhla Fischteichen. Zahlreiche Limikolen konnten bei der Nahrungssuche beobachtet werden. Rotschenkel, Dunkler Wasserläufer, Großer Brachvogel, Bruchwasserläufer und Kampfläufer. Aus dem Schilfgebiet klangen die dumpfen Rufe der Rohrdommel und das keckern des Kleinen Sumpfhuhns. Die nächste Station war der Aussichtsturm auf den Rannametsa Sanddünen. Die Beobachtung des Brachpiepers blieb uns leider verwehrt, dafür hatten wir eine fantastische Aussicht auf die Rigaer Bucht und dem Tolkuse Moor. Rein erläuterte die geologische Entstehung des Gebietes. Die besondere Beobachtung der Rannametsa Strandwiesen war natürlich die Zitronenstelze, die auch für mich eine neue Art war. Weitere Vogelarten Blaukehlchen, Schlilfrohrsänger, Nordische Schafstelze und Steinschmätzer.

15.Mai Fahrt nach Matsalu, Audru, Keemu Strandwiesen

Bei Audru waren nochmals Zitronenstelzen, Fischadler, viele Entenarten und Ohrentaucher zu beobachten.  In der Matsalubucht rasteten einige tausend Weißwangengänse. Auf dem Weg zum Hotel stand ein Elch 100 m von der Strasse entfernt. Auch ein Erlebnis der besonderen Art und ein langgehegter Wunsch der Gruppe. Im verwilderten Park von Vaike Roude sang eine Rotdrossel, mehrere Karmingimpel, Gelbspötter und Sprosser. Als Besonderheit wäre noch ein nordischer Kleiber mit Futter zu nennen. An diesem Tag gelang es, den Grünlaubsänger zu sehen und auch ausgiebig den Gesang des Vogels zu hören.

16.Mai Hiiuma, Kassari

Während der Überfahrt waren einige tausend Bergenten, Trauer-, Eis-, und Samtenten zu sehen. Auf Hiiuma kamen Säbelschnäbler, Wendehals und Mittelsäger als neue Arten hinzu.

17.Mai Silma Naturschutzgebiet, Gut Lykholm

Beobachtungen von Zwergmöwen, Rothalstaucher und Brandseeschwalben.  Die Besichtung des Guteshofs Saare (Lykholm) und dem Museum war eine gelungene Abwechslung zum straffen Beobachtungsprogramm.

18.Mai Pedase

Auf dem Weg zur nächsten Unterkunft nach Pedase besuchten wir die Landspitze von Pöösaspea. Seetaucher zogen im 30 Sekunden Takt vorbei. Zwergseeschwalben, Bergfinken und Sandregenpfeifer wurden auf der Tour erstmals beobachtet. Auf der riesigen Brandfläche im Növa Naturschutzgebiet konnten Flussregenpfeifer bei der Balz beobachtet werden. Mit Hilfe einer Klangattrappe gelang es Rein, Dreizehnspechte bis auf wenige Meter anzulocken. Ein Raunen ging durch die Gruppe. Im angrenzenden Hochmoor horstete ein Fischadler. Nach dem Beziehen der Unterkunft in Pedase ging es noch außerplanmäßig auf Nachtexkursion. Noch einmal sahen wir Waldschnepfen und lauschten den mystischen  Rufen des Ziegenmelkers.

19. Mai Birkhahnbalz im Növa Naturschutzgebiet

Um 5 Uhr startete die Gruppe zur lang ersehnten Birkhahnbalz. Schon von weitem hörten wir das Kollern der Birkhähne. Ein vorbeifahrender PKW störte erheblich das Naturschauspiel, so dass sich nur ca. 16 Hähne auf dem Balzplatz zeigten. Beeindruckend war die Artenkombination die sich auf dieser Kulturlandschaft zeigte. Der Anblick vom Großer Brachvogel, Rotschenkel, Waldwasserläufer  und Wiesenweihe sorgten für Begeisterung. Auch Schlagschwirl, Wachtelkönig und Sprosser waren zu hören. Beim gemeinsamen Abendbrot wurde wie immer die Artenliste geschrieben. Insgesamt konnte die Gruppe 165 Vogelarten auf dieser Reise beobachten.

20.Mai Abschied in Tallin

Auf der Fahrt nach Tallinn kam schon ein wenig Wehmut auf. Hatte sich die Gruppe doch sehr gut verstanden, eingeschlossen des estnischen Führers Rein mit seinem Gespür, Vogelarten zu präsentieren. Auch die Busfahrer transportierten uns sicher durchs Land. Alle saßen noch einmal bei Kaffee und Kuchen zusammen. Es wurde ausgiebig über die Besonderheiten der Reise gesprochen. Habichtskauz, Ziegenmelker, Zitronenstelze, Weißrückenspecht werden sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Ich bin davon überzeugt, das jeder auf seine Kosten gekommen ist.

Roland Weber

 

 

 

 

 

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